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Politik und Zeitgeschichte
Organisationen

Die OIC auf einen Blick

     
OIC - Organisation of Islamic Cooperation (Organisation für Islamische Zusammenarbeit)

OIC Logo neu (2011) OIC
Organisation of Islamic Cooperation
Organisation für Islamische Zusammenarbeit

Gründung
25. September 1969 in Rabat (Marokko) als Organisation of the Islamic Conference (Organisation der Islamischen Konferenz). Die Charta der OIC wurde im Februar 1972 verabschiedet.

Umbenennung
Am 28. Juni 2011 erfolgte die Umbenennung in Organisation of Islamic Cooperation (Organisation für Islamische Zusammenarbeit). Zugleich wurde die Einrichtung eines Menschenrechtsgremiums mit Sitz in Dschidda (Saudi-Arabien) beschlossen.

Ziele
Islamische Solidarität, Zusammenarbeit der Mitglieder auf politischem, wirtschaftlichem, sozialem, kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet, Kampf gegen Rassismus und Kolonialismus, Schutz der Heiligen Stätten des Islam, Unterstützung der Palästinenser für ihre Heimatrechte, Förderung des Verständnisses zwischen muslimischen und nichtmuslimischen Ländern.

Mitglieder (57)
Staaten mit muslimischem Bevölkerungsanteil in Asien, Afrika, Amerika und Europa.

Afrika (27)
Ägypten, Algerien, Benin, Burkina Faso, Dschibuti, Elfenbeinküste, Gabun, Gambia, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Komoren, Libyen, Mali, Marokko, Mauretanien, Mosambik, Niger, Nigeria, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Togo, Tschad, Tunesien, Uganda

Asien (26)
Afghanistan, Aserbaidschan, Bahrain, Bangladesch, Brunei, Indonesien, Irak, Iran, Jemen, Jordanien, Kasachstan, Katar, Kirgistan, Kuwait, Libanon, Malaysia, Malediven, Oman, Pakistan, "Palästina" (Palästinensische Autonomiegebiete), Saudi-Arabien, Syrien, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, VAE (Vereinigte Arabische Emirate)

Amerika (2)
Guyana, Suriname

Europa (2)
Albanien, Türkei (eurasisch)

Beobachter (5):
Bosnien & Herzegowina, Russland, Thailand, die Zentralafrikanische Republik und das türkische Nordzypern.

Hauptorgane

  • Gipfelkonferenz der Staats- und Regierungschefs als oberstes Organ (in unregelmäßigen Abständen)
  • Außenministerkonferenz trifft die meisten politischen Entscheidungen und bereitet die Gipfelkonferenzen vor (jährlich)
  • Generalsekretär mit Ständigem Sekretariat (140 Mitarbeiter) als Exekutivorgan
  • Menschenrechtsgremium (seit 2011)

Aktivitäten

Von Anfang an setzte sich die OIC für die Räumung arabischer Territorien durch Israel sowie Anerkennung der Rechte der Palästinenser und der PLO als deren einzig rechtmäßigen Vertreters ein.

Auf der Außenministertagung in Malaysia Anfang April 2002 stellten sich die Teilnehmer hinter die Forderung nach einem Palästinenser-Staat mit Alt-Jerusalem (Al-Quds) als Hauptstadt.

Da sie auf dieser Tagung keine gemeinsame Definition des Terrorismus fanden, forderten die Minister, eine Weltkonferenz solle "eine gemeinsame organisierte Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf Terrorismus in all seinen Formen und Erscheinungen" formulieren. Zugleich unterstrichen die Teilnehmer, dass die OIC sich um eine international anerkannte Abgrenzung des Terrorismus vom Widerstand gegen "Besatzungs- und Kolonialmächte" bemühen werde.

Die OIC erwies sich insgesamt jedoch nicht als relevanter Block in der internationalen Politik und war auch als Vermittlerin innerhalb des islamischen Lagers wenig erfolgreich.

Die OIC unterstützt weltweit die Erziehung in islamischen Gemeinschaften, u.a. durch die Mitfinanzierung der (nationalen) Islamischen Universitäten (u.a. in Niger, Uganda und Malaysia).

Kommentar

Die hochgesteckten Ziele einer islamischen Solidarität und Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem, sozialem, kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet konnte die OIC nie erreichen.

Im Gegenteil:

  • Islamische Solidaritätsbekundungen sind meist nicht mehr als Lippenbekenntnisse.
  • Statt Zusammenarbeit waren die Beziehungen innerhalb des islamischen Lagers gekennzeichnet durch Kriege zwischen den Mitgliedstaaten (z.B. Irak-Iran 1980-1988, Irak-Kuwait 1991) sowie zahlreiche ethnische bzw. religiös begründete zwischenstaatliche Konflikte.
  • Die Vision einer islamischen Weltgemeinschaft (umma) hat sich bislang als eine Fiktion erwiesen.

Zur Förderung des Verständnisses zwischen muslimischen und nichtmuslimischen Ländern hat die OIC wenig beigetragen. Hierzu müssten die Mitgliedstaaten zunächst in ihren eigenen Ländern eine "gute Regierungsführung" (good governance) verwirklichen, Toleranz einüben und Menschenrechte wahren.

Die Einrichtung des Menschenrechtsgremiums ausgerechnet im Menschenrechts-Musterland Saudi-Arabien spricht für sich.

Den "Arabischen Frühling" Anfang 2011 hat die OIC, ebenso wie die Arabische Liga, schlichtweg verschlafen. Ob mit der o.a. Umbenennung der Organisation ein frischer Wind wehen wird, bleibt abzuwarten ...

Weiterführende Verweise

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Stand: 31.07.2011