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Politik und Zeitgeschichte
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| Kriege und Waffen |
Die Fieberkurve des Krieges |
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Zeitenwende. 11. September 2001. Terroranschläge in New York und Washington. "Wir befinden uns im Krieg. Dies ist der erste Krieg des 21. Jahrhunderts" - so sinngemäß der amerikanische Präsident George W. Bush. Falsch, Mr. President! Dies ist der erste globale Krieg des neuen Jahrhunderts, und es ist der erste Krieg, in dem die USA unmittelbar ge- und betroffen sind.
Aber fassen wir uns an die eigene Nase: Wer denkt schon beim Abendessen, während die Nachrichten ins Wohnzimmer flimmern, daran, dass täglich etwa drei Dutzend Kriege stattfinden? Seien wir ehrlich: Wir alle unterliegen einer selektiven Wahrnehmung. Nur diejenigen bewaffneten Konflikte, bei denen die Medien vor Ort sind, Satellitenantennenstädte aufgebaut wurden und von dort unmittelbar und ständig informiert wird, nehmen wir zur Kenntnis. Der Rest wird verdrängt, Informationen nutzen sich ab, die Welt wird selektiv wahrgenommen. Die Fieberkurve des Krieges Der alltägliche Wahnsinn wird erst deutlich, wenn wir uns die Fieberkurve des Krieges betrachten. Zunächst stellt sich eine Grundfrage - was ist ein "Krieg"? Lässt sich Krieg nach der Anzahl der an einem bewaffneten Konflikt Teilnehmenden, der Organisationsstruktur der Konfliktparteien, der Zahl der militärischen und / oder zivilen Opfer, der Dauer des Konflikte, den Motiven der Konfliktparteien definieren? Die Frage lässt sich nicht allgemein akzeptierbar beantworten. Fieberkurven wie die im Schaubild gezeigte sind jedoch in sich schlüssig, wenn die gleiche Definition von Krieg durchgängig angewendet wird. Das Schaubild verdeutlicht zweierlei: 1. Die Anzahl der bewaffneten Konflikte, die in jedem Jahr stattfanden, zeigt, dass die Menschheit nach dem 2. Weltkrieg, salopp gesagt, die Schnauze voll hatte. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts verdreifachte sich jedoch die Zahl der Konflikte, vor allem aufgrund der Entkolonialisierungs- und Befreiungskriege in Afrika und Asien. Bis zum Zusammenbruch des Ostblocks und damit dem Ende des Ost-West-Antagonismus stieg die Zahl auf mehr als vier Dutzend Kriege an, danach sanken die Zahlen deutlich und nährten die Hoffnung auf Fukuyamas "Ende der Geschichte", also einer friedlichen Welt, in der sich Demokratie und liberale Wirtschaftsstrukturen durchsetzen würden. Aber weit gefehlt: Seit Ende der 90er Jahre stabilisiert sich die Fieberkurve bei etwa dreißig Konflikten, wobei aufgrund der jüngsten Entwicklungen der internationalen Beziehungen zu befürchten ist, dass die Zahl der Kriege wieder steigt. 2. Die Erscheinungsformen des Krieges haben sich verändert. Während in der Mitte des 20. Jahrhunderts der "klassische" duellhafte Krieg im Mittelpunkt stand (und zur Befriedung dieser Kriegsform war die UNO gegründet wurden), mischten sich seit den 50er / 60er Jahren innerstaatliche Konfliktformen (also bürgerkriegsähnliche Erscheinungsformen) ein. Hierzu musste die UNO erst neue Befriedungsverfahren entwickeln, z.B. die sogenannten Blauhelm-Aktivitäten, die in der Charta der Vereinten Nationen gar nicht vorgesehen sind. Seit den 90er Jahren deutete sich eine neue Kriegsform ein, die in dem obigen Schaubild als "außerstaatliche Konflikte" bezeichnet ist. Tatsächlich handelt es sich um eine Konfliktform, die nicht in die bisherigen Schemata passt und deshalb erst allmählich in das öffentliche Bewusstsein treten wird: Weder gibt es eine duellhafte Auseinandersetzung, noch gibt es einen unmittelbar sichtbaren Feind - ja noch nicht einmal einen sich "bekennenden" Gegner. Die neue Kriegsform wird völlig neue Bekämpfungsmethoden erfordern, und das militärische Element wird deutlich in den Hintergrund treten. Es wird deshalb lange dauern, bis die neue Bedrohung wirklich als permanent existent und als "Krieg" (an)erkannt wird. KommentarEine Analyse potentieller Konfliktherde zwischen der westlichen Welt und besonders friedens- bzw. stabilitätsgefährdenden Staaten - vom amerikanischen Präsidenten und anderen als "Schurkenstaaten" bezeichnet, die auf einer "Achse des Bösen" liegen - finden Sie [hier] |
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