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Politik und Zeitgeschichte
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| Europas Nachbarn | Mittelmeerunion "à la francaise" | ||||||
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Die französische Initiative Nachfolgend geben wir eine Interpretation der möglichen Beweggründe Frankreichs wieder, die sich allerdings bei der Gründung der Mittelmeerunion am 13. Juli 2008 - nicht zuletzt auf Druck Deutschlands - so nicht umsetzen ließen. Wir stellen diese Interpretation mit Stand Anfang 2008 dennoch weiterhin zur Verfügung, da sie für den geneigten Leser von generellem Interesse sein dürfte. Die Ausgangslage "Kernländer" der neuen Union sollten (in der Grafik grün unterlegt) im Norden die fünf Mittelmeeranrainerstaaten der EU
und im Süden als Pendant die fünf nordafrikanischen Mittelmeeranrainerstaaten
werden. Die Mittelmeerunion sollte - wiederum der Ausgewogenheit wegen - eine Doppelspitze erhalten. Hier bot sich aus französischer Sicht im Norden Frankreich als Primus inter Pares an, im Süden sollte zunächst Algerien diese Aufgabe übernehmen. Mögliche weitere Mitglieder waren die Mittelmeeranrainerstaaten des Balkan und des Nahen Ostens (hellrot markiert). Was mit den beiden EU-Staaten und Mittelmeerinseln Malta und Zypern geschehen sollte, blieb zunächst offen. |
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Kommentar (echt bissig) Was steckte hinter dieser französischen Idee? Zum ersten: Es war Wahlkampf, und der Vorschlag zur Gründung einer Mittelmeerunion war ursprünglich Teil des Wahlkampfes von Nicolas Sarkozy vor den französischen Präsidentschaftswahlen 2007. Zum zweiten: Betrachten wir die Welt einmal mit den Augen einer "grand nation" - was waren die geopolitischen Überlegungen Frankreichs?
Kommentar (politisch etwas korrekter) Die Mittelmeerunion wurde während der französischen EU-Ratspräsidentschaft auf dem EU-Gipfel in Paris am 13. Juli 2008 gegründet, allerdings in einer deutlich veränderten und reduzierten Form. Die Änderungen betrafen insbesondere die Namensgebung, die Mitgliedschaft und die Strukturen. Die französische Idee wurde als EU-Initiative verbrämt. Die Namensgebung Ursprünglich war von französischer Seite geplant, die Organisation als "Mittelmeerunion" zu gründen (französisch: Union méditerranéenne). Dies hätte allerdings zu einer sprachlichen Assoziierung zur Europäischen Union (französisch: Union européenne) geführt. Um die Kritik daran aufzufangen wurde der Name in "Union für das Mittelmeer“ (französisch: Union pour la Méditerranée) gewählt. Umgangssprachlich wird meist die Kurzform "Mittelmeerunion" beibehalten. Die Mitgliedschaft Ebenso wichtig war die Klärung des Status der Mitgliedschaft in der Mittelmeerunion. Ursprünglich war geplant, nicht die ganze EU, sondern nur deren Mittelmeeranrainer einzubeziehen. Die nicht am Mittelmeer liegenden EU-Mitgliedstaaten hätten somit lediglich eine Art Beobachterstatus erhalten. Dies hätte zu einer zweigeteilten EU - oder anders formuliert - zu einer "Union in der Union" mit einer sich überlappenden Doppel-Mitgliedschaft geführt. Nicht zuletzt auf deutschen Druck wurde vereinbart, dass die Mittelmeerunion alle EU-Mitgliedstaaten umfassen sollte. Zudem wurde der Plan aufgegeben, mit der Mittelmeerunion einen türkischen EU-Beitritt zu ersetzen: Der Türkei wurde eine Garantie angeboten, dass die Gründung der Mittelmeerunion die Beitrittsverhandlungen mit der EU nicht beeinflussen werde. Die Strukturen Waren anfangs kaum Details über Umfang, Institutionen und Inhalte der geplanten Mittelmeerunion bekannt, wurde bald deutlich, dass insbesondere das Verhältnis zwischen der Mittelmeerunion und der bereits existierenden Euro-Mediterranen-Partnerschaft (Barcelona-Prozess) geklärt werden musste. Wenn die Mittelmeerunion den Barcelona-Prozess ergänzen sollte, hätte man mit dieser Parallelität letztendlich lediglich den Aufwand verdoppelt. Dementsprechend wurde vereinbart, dass zum einen die neue Organisation weder in Konkurrenz zur EU treten soll, sondern nur deren bestehenden Strukturen "ergänzen und bereichern" würde, und zum anderen die Ziele und Strukturen des Barcelona-Prozesses in die Mittelmeerunion übernommen werden. |
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