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Politik und Zeitgeschichte
Finanzen

Die Vermögensverteilung in Deutschland

     
  
Vermögensverteilung in Deutschland - das Nettovermögen der Privathaushalte

   

"Deutschland ist ein reiches Land.

Dies zeigt sich insbesondere auch an den Vermögenswerten
in privater Hand, die ein wichtiger Bestimmungsfaktor für die
materielle Lebenslage der Menschen sind."


(2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung 2003)

In der Tat sind die Vermögenswerte der privaten Haushalte - in ihrer Summe gesehen - in den vergangenen Jahrzehnten in schwindelerregende Höhen gestiegen.

Allerdings: Das Privatvermögen in Deutschland ist sehr ungleich verteilt (siehe Grafik). So verfügt die untere Hälfte der Haushalte - statistisch gesehen - über keinerlei Nettovermögen, während auf das oberste Zehntel mehr als 60 Prozent des gesamten Nettovermögens entfallen. Dieser Anteil des obersten Zehntels ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und dürfte heute bereits bei nahezu zwei Drittel des Privatvermögens liegen.

Die Schere zwischen "Arm" und "Reich" in Deutschland öffnet sich also immer weiter.

Definitionen
  • Privatvermögen umfassen im engeren Sinne das verzinsliche Geldvermögen (Spar- und Bausparguthaben, Wertpapiere, Termingeld und angesammeltes Kapital bei Lebensversicherungen) und die Verkehrswerte von Immobilien abzüglich der Bau- und Konsumschulden.
  • Nettovermögen ist das Bruttovermögen (Geldwerte und Immobilien) abzüglich der Bau- und Konsumschulden.
  • Gebrauchswerte werden in verschiedenen Studien ebenfalls zum Privatvermögen hinzu gezählt. Hierunter fallen z.B. Elektro-Großgeräte und private Kraftfahrzeuge.

Faustformeln zur Interpretation der Daten

Bei der Beurteilung der Vermögensverteilung kann zum besseren Verständnis von folgenden (stark vereinfachenden) Faustformeln ausgegangen werden:

  • Die Bevölkerung der Bundesrepublik umfasst rund 80 Millionen Menschen (tatsächlich sind es 81,8 Mio.).
  • Die Zahl der Haushalte beträgt fast genau die Hälfte, nämlich 40 Millionen (tatsächlich sind es etwas weniger).
  • Ein Zehntel der Haushalte (die in der Grafik ausgewiesene Maßeinheit) umfasst somit 4 Millionen Haushalte mit jeweils etwa 8 Millionen Menschen.

Erkenntnisse (vergleiche Grafik)

Zur Interpretation der Daten werden nachfolgend verschiedene Trennlinien angelegt. Zu beachten ist, dass es sich bei allen Größen um Mittelwerte handelt, so dass es innerhalb der in der Grafik ausgewiesenen Zehntel bereits deutliche Unterschiede in der Vermögensverteilung geben kann. Im Folgenden wird der Einfachheit halber von Gesamtvermögen gesprochen, wenn das private Nettovermögen gemeint ist.

1. Trennlinie Hälfte:

  • Die untere Hälfte der Haushalte verfügt über weniger als 4 % des Gesamtvermögens.
  • Die obere Hälfte der Haushalte verfügt über mehr als 96 % des Gesamtvermögens.

2. Trennlinie Drittel:

  • Das untere Drittel verfügt über weniger als 1 % des Gesamtvermögens.
  • Das mittlere Drittel über knapp 20 % des Gesamtvermögens.
  • Das obere Drittel über ca. 80 % des Gesamtvermögens.

Deutlich wird hier die Unsinnigkeit des in den vergangenen Jahren gerne verwendeten Begriffs der "Drittelgesellschaft" (ein Drittel ist "arm", ein Drittel liegt im "normalen" Durchschnitt, und ein Drittel ist "reich"): Das sog. normale (mittlere) Drittel ist dem Bereich der Vermögensschwachen weit eher zuzuordnen als dem der Vermögensstarken der Gesellschaft.

3. Trennlinie Fünftel:

  • Das unterste Fünftel verfügt (statistisch) über keinerlei Vermögen, sondern ist per Saldo verschuldet.
  • Das oberste Fünftel verfügt über mehr als zwei Drittel des Gesamtvermögens.

4. Trennlinie Zehntel:

  • Das unterste Zehntel verfügt über keinerlei Vermögen, sondern ist verschuldet.
  • Das oberste Zehntel verfügt über mehr fast zwei Drittel des Gesamtvermögens.

Fazit

Wie immer man auch die Haushalte (Bevölkerung) unterteilt, die sehr ungleichmäßige Verteilung des Privatvermögens bleibt bestehen. Und die Schere zwischen Millionen von Haushalten am untersten und Millionen von Haushalten am obersten Ende wird sich - nach allen bisherigen Erfahrungen und erkennbaren Trends - weiter öffnen.

Es ist Aufgabe der Politik, hier umgehend und einschneidend gegenzusteuern, soll es nicht zu ernsten politischen Verwerfungen in der Gesellschaft kommen.

Diese interne Webseite vertieft die Problematik der Vermögensverteilung

Externer Link

  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales
    (dort unter >Service - Publikationen - Suchen< den Begriff "Armutsbericht" eingeben. Sie erhalten dann u.a. den "3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung" aus dem Jahr 2008)

Hinweis: Der exakte Titel des Berichts lautet: "Lebenslagen in Deutschland - der 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung". Erschienen im Juli 2008. Download als PDF-Datei in Lang- und Kurzfassung möglich. Komplexer Bericht mit nicht immer leicht zu verstehenden statistischen Detailinformationen. Wer sich die Rosinen herauspickt, erhält einen guten Überblick über die Gesamtproblematik. Die Fortschreibung der Berichte ist jeweils für die Mitte der Legislaturperiode vorgesehen.

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Stand: 01.12.2011