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Politik und Zeitgeschichte
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| Finanzen |
Überlegungen zur "Umverteilung" des Geldvermögens |
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Die Grafik zeigt die reale Verteilung des privaten Geldvermögens in Prozent als sogenannte Bugwelle (gelb) und verdeutlicht, dass das oberste Zehntel der Haushalte in Deutschland fast zwei Drittel des Geldvermögens besitzt. Haben Sie den ersten Schock über die reale Verteilung des Privatvermögens überwunden? Dann sind Sie jetzt reif für einige - allerdings rein theoretische - Überlegungen zu einer "gerechten" Umverteilung, vorausgesetzt, diese wäre überhaupt durchsetzbar. Als Erstes kommt einem die Gaußsche Normalverteilung in den Sinn, die sogenannte Glockenkurve. Diese besagt, vereinfacht ausgedrückt, dass die Dichte von Zufallsgrößen im Zentrum am größten ist und sich zu den Glockenrändern hin immer mehr ausdünnt. Legt man diese Glockenkurve auf das private Geldvermögen an (siehe Grafik in grün), so erhält man eine scheinbar gerechte Verteilung. Doch Vorsicht: Die Glocke kann für die Verteilung des Geldvermögen selbst nicht verwendet werden - denn sonst hätten sowohl die Ärmsten als auch die Reichsten gleich viel Vermögen. |
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Verlassen wir also die Glocke und gehen der Einfachheit halber von "linearen" Umverteilungsoptionen aus. Sie selbst können die nachfolgenden Überlegungen gerne durch eigene (auch progressive) Varianten ergänzen. Die Grafik (deren Ausdruck zum Verfolgen der u.a. Erläuterungen empfohlen wird) zeigt in den braunen Säulen die reale Verteilung des privaten Geldvermögens in absoluten Zahlen (Milliarden Euro). Bitte beachten: Die Säule des obersten Zehntels ist aus grafischen Gründen stark verkürzt dargestellt. Mit den grünen bzw. gelben Säulen werden zwei hypothetische Umverteilungsvarianten erläutert (siehe unten). Bitte beachten: Die Grafik ist eine schematische, stark vereinfachte Darstellung mit zum Teil deutlich gerundeten Zahlen. Ausgangspunkt der folgenden Verteilungsvarianten ist ein privates Geldvermögen in Höhe von ca. 5.000 Milliarden Euro und die Unterteilung aller Haushalte in Zehntel. Variante 1: Lineare Verteilung in 100-Milliarden-Stufen (gelbe Säulen) Parameter: Das unterste Zehntel erhält 100 Mrd. Euro, danach steigt das Geldvermögen gleichbleibend linear in jeweils 100-Milliarden-Schritten an. Das oberste Zehntel erhält 1.000 Mrd. Euro. Folgen: Das Vermögen aller Hauhalte bis einschließlich des achten Zehntels steigt zum Teil deutlich an. Lediglich die beiden obersten Zehntel müssen Einschnitte hinnehmen - das neunte Zehntel geringfügig, das oberste Zehntel allerdings um etwa zwei Drittel von rund 3.000 auf rund 1.000 Milliarden Euro. Variante 2: Lineare Verteilung in 50 Milliarden-Stufen (grüne Säulen) Parameter: Das unterste Zehntel erhält 300 Mrd. Euro., danach steigt das Geldvermögen gleichbleibend linear in 50-Milliarden-Schritten an. Das oberste Zehntel erhält also 750 Milliarden Euro. Folgen: Das unterste Zehntel ist nicht nur schuldenfrei, sondern verfügt über ein durchschnittliches Geldvermögen pro Haushalt von rund 75.000 Euro. Danach steigt das Vermögen bis einschließlich des achten Zehntels zum Teil deutlich an. Lediglich die beiden oberen Zehntel müssten starke Einbußen hinnehmen, das neunte Zehntel etwa ein Fünftel, das oberste Zehntel sogar um drei Viertel seines Geldvermögens von rund 3.000 auf rund 750 Milliarden Euro. Kommentar "Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer". Diese populäre und populistische Aussage suggeriert, dass Reiche immer nur auf Kosten der Armen reich werden. Hier schlägt offensichtlich die Neidfalle zu. "Die können das doch leicht verschmerzen", wird oft gesagt. Doch Vorsicht - alles ist relativ. Nur wenige im obersten Zehntel sind Millionäre oder gar Multi-Millionäre. Und in vielen der Haushalte des obersten Zehntels wurde das Vermögen redlich und durch Leistung verdient. Hinzu kommt: Im obersten Zehntel befinden sich im Übergangsbereich zum neunten Zehntel Haushalte mit durchschnittlich etwa 250.000 Euro Geldvermögen. Das ist viel Geld. Aber was ist, wenn diese "Vermögen" z.B. Rücklagen Selbständiger zur Altersversorgung (ohne staatliche Hilfe) sind? Dann könnte dieses Geld innerhalb weniger Jahre im Alten- oder Pflegheim aufgebraucht sein. Und letztlich eine Gewissensfrage: Würden SIE freiwillig auf die Hälfte, zwei Drittel oder gar drei Viertel IHRES Geldvermögens verzichten, wenn Sie Angehöriger der obersten Zehntel wären? Noch ein Wort zu einer hypothetisch gleichen Verteilung über alle Haushalte. Diese "gerechteste" Variante ist natürlich völlig unrealistisch und widerspricht jeder Lebenserfahrung: Bekäme heute jeder Haushalt 100.000 Euro auf die Hand, und würden wir die Haushalte nach einem Jahr wieder besuchen, sähen wir bereits eine völlig ungleiche Verteilung des Geldvermögens. Einige Haushalte hätten das Geld im wahrsten Sinne des Wortes sinnlos verprasst oder sich gar wieder verschuldet, andere hätten sich Konsumgüter gekauft, wieder andere Geld angespart, und einige hätten ihr Vermögen z.B. durch Investitionen oder durch Spekulationen erheblich gesteigert. Das Gleiche gilt übrigens - wenngleich weniger stark ausgeprägt - auch für die beiden o.a. hypothetischen linearen Verteilungsvarianten. Fazit Der Mensch ist glücklicherweise kein Einheitstier, keine geklonte blaue Ameise, die identisch denkt und handelt. Die Schimäre vom Einheitsmenschen war ja gerade der große Irrtum aller faschistischen und sozialistischen Ideologien des letzten Jahrhunderts und musste zwangsläufig zu deren Scheitern führen. Die derzeitige Verteilung des privaten Geldvermögens ist - abseits aller Neid- und Missgunstfaktoren - objektiv gesehen extrem unbefriedigend. Wenn in den Händen der unteren Hälfte aller Haushalte (wir sprechen immerhin von ca. 20 Millionen Haushalten mit etwa 40 Millionen Menschen) gerade einmal einige Prozent des Geldvermögens liegen, und wenn sich etwa 4 Millionen Haushalte im Schuldenbereich befinden, dann bedarf es dringend des Eingreifens der Politik. Aber wie? ... |
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